Heislitz backt bald in Kriftel

Heislitz backt bald in Kriftel

06.07.2012 06:34

An der Kapellenstraße wird ein gläsernes Backhaus gebaut/ In Hofheim gab's keinen Platz

Backen auf der Baustelle: Gestern war Spatenstich. (Foto: Michael Schick)

Ein halbes Dutzend Leute rammen silbern blinkende Spaten in den knochentrockenen Boden. Unter den weißen Bauhelmen rinnt der Schweiß. Die Familie Heislitz, Bäckermeister in fünfter Generation, hat gestern mit dem Bau eines neuen Backhauses an der Kapellenstraße in Kriftel begonnen. Drei Millionen Euro investieren Matthias Heislitz und seine Familie in das Projekt. Im kommenden Jahr soll das langgestreckte Gebäude mit gläserner Backstube, Bistro, Drive-in und Verwaltungsräumen fertig sein.

126 Jahre lang produzierte das Unternehmen Brot und Brötchen im Hofheimer Stadtteil Marxheim; bis Matthias Heislitz die alte Backstube vor zwei Jahren „nicht mehr sexy genug“ fand und nach einem anderen Standort Ausschau hielt, um ein neues und deutlich größeres Backhaus zu bauen, bei dem die Kunden den Bäckern außerdem bei der Arbeit zusehen können. „Ich wäre gerne in Hofheim geblieben“, sagt der 44-Jährige. Doch in der Kreisstadt gab es keine Flächen für sein Vorhaben.

In Kriftel dagegen schon. Als letzter produzierende Bäcker wird Heislitz also demnächst Hofheim verlassen und in die Nachbargemeinde ziehen. Backwaren für seine acht Filialen im Main-Taunus-Kreis wird das Unternehmen auf 1000 Quadratmetern im neuen Backhaus herstellen. Die Arbeiten sollen soweit wie möglich von der Nacht auf den Tag verlegt werden. „Wir wollen weg kommen von der Anonymität des Brotes, die Leute sollen sehen, wie wir arbeiten, auch mal in die Teigschüssel greifen können und selbst ihr Holzofenbrot formen“, sagt Matthias Heislitz.

Eidechsen und Keltenfunde
Bei den Planungen für ihr gläsernen Backhaus bewies die Unternehmerfamilie einen langen Atem. Eigentlich sollte das Gebäude schon ein Jahr früher hochgezogen werden. Doch Zauneidechsen, die Biologen auf dem Areal entdeckten und Keltenfunde, für die sich die Archäologen interessierten, machten Heislitz erst mal einen Strich durch die Rechnung. Der Baubeginn musste ein ums andere Mal verschoben werden. Mittlerweile sind die keltischen Funde in Sicherheit gebracht und die Zauneidechsen eingefangen. Die Reptilien leben in einem eingezäunten Stück Land an der Südseite des Geländes. Wenn das Backhaus steht und die Bauarbeiten abgeschlossen sind, werden die Tiere wieder in die Freiheit entlassen.

Dieser Artikel erschien am 06.07.2012 in der Frankfurter Rundschau
Autor: Andrea Rost

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