Eidechse stoppt Bauvorhaben

Eidechse stoppt Bauvorhaben

08.09.2011 10:13

Am B-Plan „Amberg/ Stückacker“ muss noch gefeilt werden – Naturschutzvorgaben erfüllen

Das Tier des Anstoßes: die Zauneidechse
Das Tier des Anstoßes: die Zauneidechse

Die Gemeinde muss zunächst einige Reptilien umsiedeln, bevor Matthias Heislitz zwischen Hofheim und Kriftel mit dem Bau seiner gläsernen Backstube beginnen kann.

Sie werden bis zu 24 Zentimeter lang und fühlen sich unter anderem in der Nähe von Bahngleisen sehr wohl – die Zauneidechsen. Drei Exemplare der "Lacerta agilis" hat ein Gutachter auf dem etwa ein Hektar großen Grundstück entlang der Bahntrasse zwischen Kriftel und Hofheim unterhalb der L 3011 gesichtet. Genau dort, wo der Marxheimer Bäckermeister Matthias Heislitz demnächst mit dem Bau seiner gläsernen Backstube beginnen wollte. Angrenzend hat ein Unternehmer die Errichtung einer Waschstraße geplant. Doch beide Vorhaben werden sich verzögern.

In der Offenlage des geänderten Bebauungsplans Nr. 57.2 mit der Bezeichnung "Amberg/Stückacker" hatte die Untere Naturschutzbehörde darauf hingewiesen, dass das Plangebiet möglicherweise ein Refugium für Zauneidechsen ist. Die Gemeinde hat daraufhin sofort einen Gutachter beauftragt, dem nachzugehen. Mitte Juli hatte sich der Sachverständige an zwei Tagen auf die Lauer gelegt, einmal vor und während der Dämmerung, am nächsten Tag in der Mittagszeit. Und tatsächlich: Direkt an der Bahntrasse hat er zwei Echsen gesehen und am nächsten Tag zwei an der Straßenböschung der Kapellenstraße, wobei es sich bei dem einen Männchen um jenes handeln soll, das er tags zuvor schon an den Schienen entdeckt hatte. Die Population in dem gesamten Gebiet schätzt der Gutachter auf 20 Stück. Und da die Zauneidechse als bedrohte Tierart auf der Roten Liste steht, gilt es sie zu schützen.

"Daran geht kein Weg vorbei", sagte der Erste Beigeordnete Franz Jirasek am Montagabend im Planungsausschuss, auch wenn bei der großflächigen Rodung des Geländes vor etwa zwei Jahren niemand nach dem Artenschutz gefragt hat. Und wenn das Bauvorhaben in den Grenzen des gültigen B-Plans geblieben wäre, hätte auch kein Hahn nach der Zauneidechse gekräht. Doch nun ist der Bestand amtlich und den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes muss die Gemeinde Folge leisten, will sie sich nicht strafbar machen. Der Fachmann schlägt deshalb vor, entlang der Bahngleise einen etwa fünf Meter breiten Streifen abzutrennen. Mit einem 1,80 Meter hohen Zaun, der am Boden eine Beplankung hat, so dass die Reptilien nicht entwischen können, soll das Terrain eingegrenzt werden. Damit sich die Echsen auch wohlfühlen, sollen Stein-, Sand- und Totholzhaufen den Tierchen Versteckmöglichkeit bieten. Ob und in welchem zeitlichen Fenster dem Vorschlag gefolgt wird, das soll in den nächsten Tagen bei mit der Unteren Naturschutzbehörde geklärt werden.

Es haben jedoch noch weitere Träger öffentlicher Belange ihre Einwände gegen den geänderten B-Plan vorgetragen. So will das Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) dem Plan nur zustimmen, wenn die Kapellenstraße von der Gemarkungsgrenze Hofheim bis die Einmündung in die K 822 von einer Landesstraße (L 3011 alt) in eine Ortsstraße heruntergestuft wird. Damit wäre die Kommune für die Unterhaltung, Reinigung und Winterdienst zuständig. Zur Klärung wird die Gemeinde noch einen Verkehrsplaner hinziehen.

Obwohl die beiden Zufahrten zu Backstube und Waschstraße auf der geraden Strecke Hofheim und Kriftel liegen, "versagt" die Polizei dem Plan ihre Zusage mit dem beinahe gleichlautendem Hinweis, den sie bereits bei dem B-Plan für die Erschließung der geplanten Seniorenresidenz auf der gegenüberliegen-den Straßenseite abgegeben hat: Da die Zufahrten von dem Gelände des Altenheims auf die L 3011 alt nahe im Kurvenbereich liegen, sieht der Regionale Verkehrsdienst hier ein "Gefährdungspotenzial" und fordert eine Fußgängerampel. Eine Aussage, die bei einigen Ausschussmitgliedern auf Unverständnis stieß, da die Gemeinde schon mehrfach eine Ampel für die Überquerung der Hofheimer Straße beim Lidl-Markt einige hundert Meter weiter gefordert hat, wofür bislang von Behördenseite kein Bedarf gesehen wurde. Die Gemeinde verweist jetzt darauf, dass beim Bau der Zufahrt für die Seniorenresidenz bereits Leerrohre verlegt werden sollen, so dass eine Fußgängerampel leicht einzurichten wäre.

Die Gemeinde wird den Bebauungsplan nach der Überarbeitung mit den Ergebnissen von zusätzlichen Gutachten und Gesprächen erneut offen legen.

Dieser Artikel erschien am 28.02.2011 im Höchster Kreisblatt
Autor: nicht bekannt

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