Das 70-Meter-Backhaus

Das 70-Meter-Backhaus

10.03.2012 06:07

Sich bewusst von den Discountern abheben

Wenn die Eidechsen ihren Spielplatz bekommen haben und die Archäologen das Gelände zwischen Bahn und Kapellenstraße nach historischen Funden untersucht haben, dann kann Bäckermeister Heislitz mit dem Bau seiner gläsernen Backstube beginnen.

In den zurückliegenden Monaten wurde die Geduld von Matthias Heislitz mehrfach auf eine harte Probe gestellt. Denn eigentlich hatte der Hofheimer Bäckermeister gehofft, schon in wenigen Wochen seinen Produktionsbetrieb von der Mittelstraße in Marxheim in sein gläsernes Backhaus nach Kriftel verlegen zu können. Doch auf dem etwa 5500 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Kriftel und Hofheim tut sich bislang so gut wie nichts. Zunächst mussten auch erst einige planungsrechtliche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, die den Baubeginn nicht nur um rund ein Jahr verzögert haben. Auch wenn der 45-Jährige sich mit Angaben zu Investitionssummen bedeckt hält, so liegt es auf der Hand, dass jeder Monat Verzug Geld kostet. Und auch jede Expertise, die noch nachgereicht werden musste, hat das Ganze noch verteuert. Doch inzwischen sieht Matthias Heislitz Licht am Ende des Tunnels. Ein Lärmgutachten hat noch einmal belegt, dass niemand durch den Backbetrieb gestört wird. Mit einer eigenen Linksabbiegespur für die Kunden, die aus Richtung Kriftel das Backhaus ansteuern wollen, sind auch die Bedenken des Straßenbauamtes ausgeräumt worden. Und da sind auch noch die unter Artenschutz stehenden Zauneidechsen, von denen ein Gutachter drei Exemplare auf dem Areal nahe den Gleisen gesichtet hat (wir berichteten).

20 Tierchen
Hochgerechnet dürften 20 Tierchen hier heimisch sein, schätzt der Experte. Und weil diese zu schützen sind, mussten die Bäume und Sträucher vor wenigen Wochen ganz vorsichtig mit "leichten Maschinen" gerodet werden. In den nächsten Wochen wird Bäcker Heislitz für die kleinen Reptilien erst einmal einen eigenen "Eidechsenspielplatz" anlegen. Dafür wird ein vier Meter breiter Geländestreifen entlang der Bahnlinie eingezäunt und mit spezieller Folie beplankt, damit die Tierchen nicht ausbüchsen können, die im Frühjahr erst einmal eingefangen werden müssen. Damit sich die Tiere wohlfühlen, werden Totholzbereiche und sandige Flächen eingerichtet.Im Anschluss an die Umsiedlung werden Zoologen über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg beobachten, ob die Tiere gedeihen.

Bevor die Bagger loslegen können, werden auch noch die Archäologen das Gelände auf historische Funde untersuchen. Obwohl das Denkmalamt den eingereichten Bebauungsplan bedenkenlos abgenickt hatte, waren bei Bodenuntersuchungen Scherben zutage getreten, die historische Merkmale aufweisen. Nach der geomagnetischen Untersuchung vermuten die Archäologen verfüllte Vorratsgruben der Kelten zu finden.

In der Zwischenzeit hat Matthias Heislitz sein Projekt noch an einigen Ecken verfeinert und optimiert. Derzeit ist der Bebauungsplan zum zweiten Mal offen gelegt, in Kürze soll der Bauantrag eingereicht werden. Im Sommer, so hofft Heislitz, werden auch die Archäologen die Funde gesichtet und dokumentiert haben, Und dann soll es losgehen.

Noch vor Jahresende soll das Gebäude stehen und im Frühjahr nächsten Jahres soll das 70 Meter lange Backhaus dann eröffnet werden, in dem sich die Bäcker an den großen Fenstern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen lassen. Mit dieser Transparenz will sich der Bäckermeister bewusst von den Discountern absetzen.

Die Beziehung zu den Kunden intensivieren, das ist Heislitz’ Geschäftsphilosophie, sei es an der Theke oder in der Backwerkstatt, in der sich der Hofheimer vieles vorstellen kann, vom Backevent bis zu Backkursen. Bedient werden die Kunden auch im Café mit 80 Sitzplätzen und am Autoschalter, wo Brötchen und Backwaren durchs Autofenster gereicht werden.

70 Mitarbeiter
Mit seiner 700 Quadratmeter großen Backstube schafft sich der Marxheimer künftig jede Menge Kapazitäten. Deshalb denkt Matthias Heislitz schon ein Stückchen weiter und schmiedet bereits Pläne für weitere Filialen. "Natürlich hier in der Umgebung", sagt Heislitz, der derzeit in Marxheim und den Filialen in Kriftels Ortsmitte, in Kelkheim, Schwalbach und Bad Soden 70 Mitarbeiter beschäftigt.

Dieser Artikel erschien am 10.03.2012 im Höchster Kreisblatt (FNP)
Autorin: Ulrike Kleinekoenen

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