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Bäcker Heislitz zieht nach Kriftel

Bäcker Heislitz zieht nach Kriftel

12.02.2011 08:58

Im Spätsommer sollen die Bagger in der Kapellenstraße anrollen - Brötchenkauf künftig auch am Autoschalter

Bäcker Heislitz zieht nach Kriftel
Beate und Matthias Heislitz präsentieren ein Riesenbrot - Großes soll auch auf dem Gelände an der Kapellenstraße entstehen. Eine gläserne Backstube ist geplant. (Foto: Hans Nietner)

Das Marxheimer Traditionsunternehmen wäre auch gerne in Hofheim geblieben, aber dort fand sich kein geeignetes Grundstück. In einer „gläsernen Erlebnisbackstube" an der Kapellenstraße kann man künftig den Bäckern über die Schulter schauen.

Noch stehen Obststräucher entlang der Kapellenstraße zwischen Hofheim und Kriftel. Doch voraussichtlich schon im Spätsommer werden auf einer 5500 Quadratmeter großen Fläche entlang der Bahngleise die Bagger anrollen. Im Frühjahr nächsten Jahres will der Hofheimer Bäckermeister Matthias Heislitz dort seine „gläserne Erlebnisbackstube" eröffnen.

Eine 50 Meter lange Glasfront gewährt dann Kunden und Interessierten den Blick ins Herz der Produktion von Brot und Backwaren. „Wir wollen zeigen, wir machen alles noch selbst", möchte Bäckermeister Heislitz die „Ehrlichkeit seines Handwerks" präsentieren. Immer öfter werde er nämlich gefragt, ob das, was in seinen sieben Filialen über die Theke geht, alles aus eigener Produktion stammt. Eine Frage, die den Handwerksmeister wurmt. Auch wenn der Computer längst die Arbeit seiner zehn Angestellten in der Backstube unterstützt, und für gleichbleibende Qualität sorgt: Jedes Brot und jedes Brötchen wird noch mit Hand geformt und in den Ofen geschoben. Davon sollen sich künftig nicht nur die Kunden von außen, sondern auch Schulklassen, Kindergärten und auch die Ferienspielkinder bei einem Besuch in der Backstube überzeugen können. „Für Führungen haben wir auf gut 900 Quadratmetern Platz", freut sich Matthias Heislitz, der sich der Jugendarbeit sehr verbunden fühlt. Nicht zuletzt geht es dem Unternehmer auch um die „Imagepflege für den Nachwuchs": „Ich möchte für den Bäckerberuf als ein traditionelles Handwerk in einem modernen Betrieb werben."

Einen besonderen Knüller gibt es in dem Verkaufsladen neben der gläsernen Backstube. Den kann man natürlich zu Fuß betreten, muss es aber nicht. Wer's bequem haben möchte, der fährt wie bei McDonalds am Fenster vor, bestellt und kann - ohne aus dem Auto aussteigen zu müssen - seine Brötchen kaufen. Zu der Erlebnisbackstube gehört außerdem ein Cafe mit 60 Sitzplätzen. Im Stockwerk darüber sind die Sozialräume für die Mitarbeiter, Räume für Schulungen des Personals und kleine Feiern vorgesehen. Auf dem Außengelände sind 50 Parkplätze geplant.

125-jähriges Bestehen
Derzeit steht zwar erst die grobe Planung, die Feinabstimmung ist in Arbeit. Doch die Verträge sind unter Dach und Fach. Matthias Heislitz gibt auch zu, dass er nicht leichten Herzens mit seiner Produktion den alten Firmensitz in Marxheim verlässt. Zwar bleibt der kleine Backladen dort erhalten. Doch die Backstube, wo sämtliche Teige für die sieben Filialen in zwei Schichten hergestellt werden, ist mit der Zeit in dem alten verwinkelten Haus viel zu klein geworden. Mit Blick auf das 125-jährige Firmenbestehen, das im Juni gefeiert wird, waren schließlich auch die Überlegungen gereift, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Die Discounter, die inzwischen mit Öfen an der Brottheke zum Kauf ihrer Backwaren locken, machen mit ihren günstigen Preisen den klassischen Bäckern das Leben schwer. „Wir wollten deshalb die Weichen für die nächste Generation stellen", sagt der Vater von zwei Töchtern.

Deshalb hatte sich der Unternehmer auf die Suche nach einer geeigneten Fläche gemacht, um sich zu vergrößern. „Wir wären auch gerne in Hofheim geblieben", gesteht der Geschäftsmann. Doch dort habe er kein Grundstück gefunden, das sich „in sichtbarerer Lage" für sein Vorhaben geeignet hätte. Dies sei in der Obstbaugemeinde anders gewesen, spart Heislitz nicht mit Lob an der Verwaltung, die ihn unterstützt habe bei der Suche nach geeigneten Flächen, um seine Ideen zu verwirklichen. „Das Konzept hat uns überzeugt", erklärt der Erste Beigeordnete, Franz Jirasek (parteilos), auch wenn es nicht ganz einfach gewesen sei, das Projekt planerisch auf den Weg zu bringen.

Bebauungsplan-Änderung
Das knapp 11000 Quadratmeter große Gelände zwischen Bahnlinie und Kapellenstraße teilen sich derzeit zwei Eigentümer. Mit denen ist Heislitz über Kauf beziehungsweise den Teilerwerb ihrer Grundstücke einig geworden. Der Planungsausschuss der Gemeindevertretung stimmte am Montagabend dem Verkauf eines Weges zu, der im Gemeindebesitz ist und zwischen den beiden Grundstücken verläuft. Außerdem fasste der Ausschuss einen Aufstellungsbeschluss für einen geänderten Bebauungsplan.

Die Firmengeschichte
Die Bäckerei Heislitz ist ein Familienunternehmen, das seit 125 Jahren in Hofheim ansässig ist. Den Grundstein legte Georg Heislitz, als er in der Mittelstraße in Marxheim 1886 eine Bäckerei eröffnete. Das Sortiment beschränkte sich damals auf einfache Brötchen und zwei bis drei verschiedene Brotsorten. Doch der kleine Laden warf nicht so viel Gewinn ab, um die vierköpfige Familie zu ernähren. Deshalb hat Georg Heislitz neben seiner Backstube noch Landwirtschaft betrieben. Sein Zweitältester Sohn Georg erlernte ebenfalls das Backhandwerk. Nach der Lehre ging er jedoch zunächst auf Wanderschaft, bevor er 1932 mit 42 Jahren den elterlichen Betrieb übernahm. Von seinen vier Söhnen kehrte aus dem Zweiten Weltkrieg als einziger Heinrich heim. Der war von Beruf eigentlich Spengler, machte jedoch noch eine Bäckerlehre und übernahm 1954 mit seiner Frau Anna den Betrieb, den er 1973 an Sohn Norbert und dessen Frau Brigitte weitergab. Das Ehepaar baute die Backstube zu einer modernen Produktionsstätte mit 19 Mitarbeitern aus. Ende der 1980er Jahre eröffneten sie ihre erste Filiale in der neuen Galeriepassage in der Frankfurter Straße in Kriftel. Sohn Matthias hat mit Ehefrau Beate vor 15 Jahren die Geschäftsführung übernommen. Zu dem großen Familienunternehmen Heislitz gehören mittlerweile 70 Mitarbeiter, die in Filialen in Hofheim, Kriftel, Bad Soden, Schwalbach und Kelkheim arbeiten.

Dieser Artikel erschien am 12.02.2012 im Höchster Kreisblatt
Autor: Ulrike Kleinekoenen

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