Wer hier einkauft, muss nicht aus dem Auto steigen

Wer hier einkauft, muss nicht aus dem Auto steigen

29.08.2013 14:48

Direkt an einer Hauptverkehrsader liegt das neue Backhaus mit Autoschalter. (Foto: dt-Presse)
Direkt an einer Hauptverkehrsader liegt das neue Backhaus mit Autoschalter. (Foto: dt-Presse)

Backstube, Café mit Terrasse und Drive in: Backhaus Heislitz stemmt 5 Mio. Euro teures Projekt / Handwerk transparent machen.

Auf einem Grundstück an einer stark befahrenen Verbindungsstraße hat Bäckermeister Matthias Heislitz neu gebaut. Zum Herzstück gehört ein Autoschalter. Der erweist sich als Zugnummer.

Bei Heislitz stoßen die Kreisstadt Hofheim (Main-Taunus-Kreis) und die Gemeinde Kriftel aneinander. Gegenüber von seinem Neubau entstehen auf einem riesigen Areal Seniorenheim, Einrichtungen für betreutes Wohnen, Ärztehaus und weitere Einrichtungen. Für Heislitz genau der richtige Ort, um auf insgesamt 5500 Quadratmetern mit Qualität dem Wettbewerb Paroli bieten, wie er sagt.

Zudem hofft er, mit dem Projekt potenzielle Betriebsnachfolger auf sich aufmerksam zu machen. Immerhin ist die Bäckerei seit mehr als 125 Jahren präsent. Und nicht zuletzt arbeitet und lebt Matthias Heislitz nach der Devise: „In der Region, für die Region, und die Grundstoffe aus der Region.“

Qualität allein und der Hinweis auf sie genügen heutzutage nicht mehr, meint Heislitz. Darum machte er die komplette Produktion für jeden, der es sehen will, öffentlich. Er gewährt Einblick in die handwerkliche Arbeit, die von moderner Technik unterstützt wird. Dieses „Sichtbarmachen“ geschieht auf zwei Ebenen. Zum einen bietet die Bäckerei Führungen an. Dafür gibt es über der Backstube eine begehbare Empore. Zum anderen verfügt das Gebäude zur Straße hin über fünf große Fenster mit seitlicher Beschriftung.

Die großen Schriftzüge weisen auf die Arbeitsgänge „Ausrollen, Schneiden,“ „Backen“ sowie „Verpacken, Garnieren“ hin. Die neue Backstube ist so eingerichtet, dass sie im Vergleich zum menschlichen Körper mit drei wesentlichen Funktionen versehen ist, nämlich mit Hirn, Herz und Lunge. Das Hirn ist die elektronische Rohstoff-Verwiegung. Die findet an zentraler Stelle nach manueller Entnahme aus einem Silo statt. Sie ist entgegen häufig üblicher Anordnung nicht mehr am Rande oder in einer Ecke der Backstube angeordnet. Mehl in zwei Silos und Zutaten in 40 Silos befinden sich außerhalb der Backstube. Das Herz ist der Backofen; für jeden Bäcker ganz selbstverständlich. Die Lunge ist die Kältetechnik.

Die transparente Produktion ist Teil des Gesamtkonzepts. Es beinhaltet auch Verkauf und Marketing. So hatte Heislitz auf seiner Website mit Fotos und Videos ständig über den Baufortschritt berichtet, auch die lokale und regionale Presse verfolgte das Geschehen.

Permanente Werbung versprechen auch die an der Außenfassade angebrachten Symbole für Backwaren. Am Eingangsbereich von Laden und Bistro auf zwei Ebenen weisen Plakate auf Backwaren und Service hin. Ein Seminarraum für Feiern oder Besprechungen kann gemietet werden und ergänzt Heislitz’ Angebot.

Drinnen in einigem Abstand zur Theke ist eine Station zur Zubereitung von warmen Snacks eingerichtet mitsamt einem Ladenbackofen und zwei Herden. Kunden können am Tisch bestellen, bei der Zubereitung zusehen und die Speisen mitnehmen; oder sie lassen sich komplett bedienen.

Der Autoschalter, der sofort nach der Eröffnung einen Run auslöste, ist für Pkw, Transporter und kleine Laster, wie sie etwa Handwerker gern nutzen, befahrbar. Die Ausschilderung ist eindeutig und gut erkennbar. Die Zu- und Abfahrt des Autoschalters ist räumlich völlig vom Parkplatz mit seinen Stellplätzen getrennt.

Gut 5 Mio. Euro hat Matthias Heislitz in das Projekt investiert. Äußerst zufrieden ist er eigenen Angaben zufolge mit dem Generalplaner aus dem Hause Vollack in Karlsruhe. Dass sich die geplante Eröffnung fast ein Jahr verzögert hat, lag an Eidechsen und mehr als 3000 Jahre alten Funden. Die Eidechsen mussten umgesiedelt werden, was nicht eben einfach und teuer war. Zudem wurden bei den Erdarbeiten Geräte aus der Zeit der Kelten zutage befördert, die ebenfallsvorsichtig ausgegraben wurden. Umso mehr freut sich Bäcker Heislitz, dass der Betrieb nun läuft.

Dieser Artikel erschien am 29.08.2013 in der Deutschen Bäckerzeitung
Autor: nicht bekannt

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