Gewerbeprojekt und Tierschutz in Einklang gebracht

Gewerbeprojekt und Tierschutz in Einklang gebracht

04.01.2012 10:15

Auf dem Gelände zwischen Bahnlinie und Kapellenstraße in Kriftel, auf dem u.a. die Bäckerei Heislitz ein modernes „gläsernes“ Backhaus errichten will, ist jetzt eine kleine gemauerte Hütte abgerissen worden. Demnächst sollen dort die vorhandenen Büsche und Sträucher gerodet werden. Diese sowie alle weiteren Schritte zur Vorbereitung der Baumaßnahme sind abgestimmt mit der Unteren Naturschutzbehörde des Main-Taunus-Kreises.

Zauneidechsen werden umgesiedelt
Wie schon berichtet, hatte die Behörde im Verfahren zur Anpassung des für den Bereich geltenden Bebauungsplanes Einwände erhoben und mit dem Hinweis auf den Artenschutz gefordert, dass die auf dem Gelände lebende Zauneidechsenpopulation durch Umsiedlung erhalten werden muss. Wie dabei verfahren wird, das wurde in einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zwischen der Gemeinde und der Naturschutzbehörde festgelegt. Die dort formulierten Auflagen wurden von der Bäckerei akzeptiert, die das Areal, auf dem das neue Backhaus mit Café entstehen soll, bereits erworben hat sowie von der Eigentümerin des Restgrundstücks, auf das ein Betreiber von Autowaschanlagen bereits ein Auge geworfen hat.

Jirasek lobt Kompromissbereitschaft
„Wir freuen uns sehr darüber, dass es gelungen ist, einen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen herbeizuführen“, erklärt Erster Beigeordneter Franz Jirasek, der auch Leiter der Wirtschaftsförderung im Rathaus ist. Er lobt zugleich die Kompromissbereitschaft aller Beteiligten. „Das ist durchaus keine Selbstverständlichkeit. Es gibt genügend Beispiele für Projekte, deren Verwirklichung an solchen Dingen gescheitert ist“. Mag sein, dass mancher Beobachter den Kopf darüber schüttelt, dass eine Handvoll Zauneidechsen ein allgemein erwünschtes Bauvorhaben gefährden kann. Jirasek stellt aber klar, dass die Gemeinde entsprechende Einwände ernst zu nehmen hat und nicht darüber hinwegsehen darf.

Neuer Lebensraum wird eingezäunt
Aus diesem Grund war ein „faunistisches Gutachten“ für das Gelände in Auftrag gegeben worden. Das bestätigte, dass dort tatsächlich mehrere Zauneidechsen leben. Um deren Fortbestand zu sichern, wurde ein ganzes Bündel von Maßnahmen vereinbart. Zunächst darf der Bewuchs nur unter Einsatz von „leichten“ Maschinen gerodet werden. Bis Ende Februar muss das geschehen sein. Außerdem muss ein vier Meter breiter Geländestreifen entlang der Bahnlinie als künftiger Lebensraum der Eidechsen eingezäunt werden. Danach werden auf dem Grundstück sogenannte Reptilienbretter ausgelegt, mit schwarz lackierten Flächen, auf denen sich die Tiere gerne sonnen.

„Eidechsengerechte“ Gestaltung
Sie werden dort eingefangen und in das eingezäunte Terrain gesetzt. Mit dessen „eidechsengerechter“ Gestaltung werden Experten beauftragt. Es soll u.a. Totholzbereiche geben sowie sandige Flächen. Auch Steinhaufen, auf denen sich die Tiere bevorzugt aufhalten. Dafür wird Material aus der jetzt abgebrochenen Hütte verwendet. Im Anschluss an die Umsiedlung werden Zoologen über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg beobachten, ob die Tiere in ihrem neuen Lebensraum gedeihen. Die Schutzmaßnahmen werden von den Grundstückseigentümern finanziert. „Auf die Gemeinde kommen dadurch keine Kosten zu“, stellt Jirasek fest. Nur das Gutachten musste aus dem Gemeindesäckel bezahlt werden.

Gesamtlösung für neue Verkehrssituation
Ebenso zwei weitere Expertisen in Bezug auf Lärmschutz und Verkehr, die im Zuge des Verfahrens zur Änderung des Bebauungsplanes erforderlich wurden. Beide Bereiche sind unproblematisch. Das Lärmschutzgutachten war lediglich notwendig, um die Daten einer schon länger zurückliegenden Untersuchung auf den aktuellen Stand zu bringen. Die Lärmemissionen, die von einer gewerblichen Nutzung des Geländes zwischen einer Bahnlinie und einer vielbefahrenen Straße ausgehen, können vernachlässigt werden. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass für die insgesamt 10.690 qm große Fläche schon vor der Änderung des Bebauungsplans eine gewerbliche Nutzung zulässig war. In Bezug auf den Straßenverkehr wurde auch unter Berücksichtigung des auf der anderen Seite der Kapellenstraße entstehenden Pflegeheims u.a. eine praktikable Gesamtlösung entwickelt.

Heislitz will im Oktober in neues Backhaus einziehen
Bäckermeister Matthias Heislitz hofft, im April 2012 mit den Bauarbeiten für sein „gläsernes Backhaus“ beginnen zu können. Demnächst wird er dafür seinen Bauantrag einreichen. „Unser Ziel ist es, im Oktober diesen Jahres in das neue Haus einzuziehen“, so Heislitz. Eine zügige Umsetzung seiner Pläne ist für ihn auch im Hinblick auf den harten Wettbewerb wichtig. In fünfter Generation führt er das Backhaus mit bisherigem Hauptsitz in Hofheim-Marxheim und etlichen Filialbetrieben samt 70 Mitarbeitern. „Mit dem ‚gläsernen‘ Backhaus in Kriftel möchten wir uns das Vertrauen unserer Kunden in unser attraktives Handwerk und die meisterhafte Herstellung von Backwaren auch in Zukunft erhalten.“ Der Traditions- und Familienbetrieb wird sein Stammhaus in Hofheim-Marxheim nicht aufgeben. Ebenso soll die Filiale in der Krifteler Ortsmitte weiterbetrieben werden.

Dieser Artikel erschien am 04.01.2012 im Pressearchiv der Gemeinde Kriftel
Autor: nicht bekannt

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